Bargeld im Ausland abheben: die fünf Gebühren, die zusammenkommen
Beim Abheben im Ausland addieren sich bis zu fünf Entgelte, die von drei verschiedenen Parteien erhoben werden und in der Anzeige am Automaten nur teilweise auftauchen. Wer sie kennt, zahlt für dieselbe Abhebung einen Bruchteil – wer sie nicht kennt, hält den Automaten für teuer, obwohl der teuerste Posten oft die eigene Karte ist.
Die fünf Kostenquellen, einzeln betrachtet
Sie stammen von unterschiedlichen Parteien und treten in beliebigen Kombinationen auf. Deshalb lässt sich der Preis einer Abhebung nicht aus einer einzigen Zahl ablesen.
| Kostenquelle | Wer erhebt es | Typische Höhe |
|---|---|---|
| Auslandseinsatzentgelt | Kartenherausgeber | 1,5–2,5 % des Umsatzes |
| Bargeldentgelt | Kartenherausgeber | 2–4 %, oft mit Mindestbetrag 5–6 € |
| Automatenentgelt | Betreiber des Geldautomaten | 2–8 € je Vorgang, in Touristengebieten mehr |
| Sollzinsen auf Bargeld | Kartenherausgeber | 15–25 % p. a., ab Abhebetag |
| DCC-Aufschlag | Betreiber bzw. sein Dienstleister | 3–6 % auf den Wechselkurs |
Der teuerste Posten steht nicht auf der Rechnung
Die Sollzinsen für Bargeldverfügungen sind der am häufigsten übersehene Kostenblock. Bei den meisten Kreditkarten gilt der zinsfreie Zahlungsaufschub nur für Warenumsätze. Bargeld wird ab dem Tag der Abhebung verzinst, auch wenn Sie die Monatsrechnung später vollständig ausgleichen.
Bei 500 Euro, 21 Prozent effektivem Jahreszins und 40 Tagen bis zur Abrechnung sind das rund 12 Euro – zusätzlich zu allen Entgelten. Das erklärt, warum Bargeld per Kreditkarte selbst bei gebührenfreien Karten teuer sein kann.
Ausnahmen gibt es: Einige Karten stellen Bargeldverfügungen ausdrücklich zinsfrei, andere verzinsen erst ab Rechnungsstellung. Das steht im Preis- und Leistungsverzeichnis unter „Bargeldauszahlung", nicht in der Werbung.
Die Entscheidung am Automaten
Zwei Dialoge entscheiden über den Großteil der Kosten. Der erste fragt, ob Sie das Entgelt des Betreibers akzeptieren – Sie können ablehnen und einen anderen Automaten suchen. Der zweite fragt, ob in Euro oder in Landeswährung abgerechnet werden soll.
Die Antwort auf den zweiten Dialog lautet immer: Landeswährung. Wählen Sie Euro, rechnet der Betreiber zu seinem eigenen Kurs um, und dieser liegt regelmäßig 3 bis 6 Prozent über dem Kurs von Visa oder Mastercard. Die Anzeige „garantierter Wechselkurs" oder „ohne Wechselkursrisiko" beschreibt genau dieses teure Angebot.
Manche Geräte formulieren die Frage bewusst irreführend, etwa als Wahl zwischen „mit Umrechnung" und „ohne Umrechnung". Als Faustregel gilt: Die Option, bei der ein Eurobetrag genannt wird, ist die teure.
Rechenbeispiel: dieselbe Abhebung, drei Karten
200 Euro Gegenwert in einer Fremdwährung, ein Automat mit 3 Euro Betreiberentgelt, Abrechnung in Landeswährung, Rückzahlung nach 30 Tagen:
| Karte | Entgelte | Zinsen | Gesamt |
|---|---|---|---|
| Reisekreditkarte ohne Auslandsentgelt, Bargeld zinsfrei | 3,00 € Automat | 0,00 € | 3,00 € |
| Kostenlose Standardkarte, 1,75 % Auslandsentgelt, Bargeld ab Abhebetag verzinst | 3,00 € + 3,50 € + 6,00 € Mindestbargeldentgelt | ca. 3,45 € | ca. 15,95 € |
| Karte mit 2 % Auslandsentgelt und 4 % Bargeldentgelt | 3,00 € + 4,00 € + 8,00 € | ca. 3,45 € | ca. 18,45 € |
Wie viel auf einmal abheben?
Die Antwort hängt von der Struktur der Entgelte ab. Fallen Fixbeträge an – ein Mindestbargeldentgelt der Karte, ein Betreiberentgelt je Vorgang –, sind wenige große Abhebungen deutlich günstiger. Sind alle Entgelte prozentual, spielt die Stückelung keine Rolle, und es spricht mehr für kleinere Beträge, weil weniger Bargeld getragen wird.
In der Praxis überwiegen die Fixbeträge. Zwei Abhebungen à 300 Euro schlagen sechs à 100 Euro fast immer. Beachten Sie dabei das Tageslimit Ihrer Karte, das oft niedriger ist als der verfügbare Rahmen.
In Ländern mit hoher Kartenakzeptanz ist die günstigste Abhebung ohnehin die, die nicht stattfindet: Kartenzahlung mit einer Karte ohne Auslandseinsatzentgelt kostet gar nichts, weder Entgelt noch Zinsen.
Vorbereitung vor der Reise
Prüfen Sie drei Positionen im Preis- und Leistungsverzeichnis Ihrer Karte: Auslandseinsatzentgelt, Bargeldentgelt inklusive Mindestbetrag und die Zinsregelung für Bargeldverfügungen. Diese drei Zahlen entscheiden, ob Ihre Karte für Bargeld taugt.
Nehmen Sie eine zweite Karte eines anderen Netzwerks mit und bewahren Sie beide getrennt auf. Akzeptanzlücken, Sperrungen wegen Betrugsverdachts und defekte Automaten sind die drei häufigsten Gründe, warum eine einzelne Karte auf Reisen nicht ausreicht.
Hinterlegen Sie die Sperrnummer Ihres Herausgebers und die deutsche Notrufnummer 116 116 im Telefon – abrufbar auch ohne Netz, wenn Sie sie als Kontakt speichern.