Dispozinsen: was der Kontokorrentkredit wirklich kostet – und was ihn ersetzt
Der Dispositionskredit ist der einzige Kredit, den man aufnimmt, ohne ihn zu beantragen: Er wird eingeräumt und liegt bereit. Genau das macht ihn gefährlich – nicht der Zinssatz allein, sondern die Kombination aus Verfügbarkeit, fehlendem Tilgungsplan und der Tatsache, dass die Zinsen quartalsweise ins Minus mit hineinwachsen.
Wie der Dispo berechnet wird
Der Dispositionskredit ist ein Kontokorrentkredit: Die Bank räumt einen Rahmen ein, Sie nutzen ihn nach Bedarf, und verzinst wird taggenau nur der tatsächlich in Anspruch genommene Betrag. Es gibt keine Bereitstellungsprovision und keine Mindestlaufzeit.
Die aufgelaufenen Zinsen werden in der Regel quartalsweise belastet und erhöhen dann den Sollsaldo. Wer den Dispo dauerhaft nutzt, zahlt ab diesem Zeitpunkt Zinsen auf Zinsen – der Effekt, der aus einem beherrschbaren Minus über Jahre einen wachsenden macht.
Der Zinssatz ist variabel und darf angepasst werden. Er muss im Preisverzeichnis, im Vertrag und auf jedem Kontoauszug ausgewiesen sein; eine Änderung ist Ihnen mitzuteilen.
Geduldete Überziehung: der teurere Zwilling
Wer über den eingeräumten Rahmen hinaus verfügt, nutzt keine Kreditlinie mehr, sondern eine geduldete Überziehung. Die Bank kann sie jederzeit beenden, und sie verlangt dafür einen höheren Zinssatz – üblich sind ein bis fünf Prozentpunkte Aufschlag auf den Dispozins.
Rechtlich ist das ein eigenes Konstrukt nach § 505 BGB. Die Bank muss über den Zinssatz informieren, sobald die Überziehung mehr als einen Monat andauert, und darf keine zusätzlichen Kosten außer diesem Zins verlangen.
Praktisch wichtiger: Eine geduldete Überziehung ist ein Warnsignal in der internen Risikobewertung. Sie kann dazu führen, dass der Dispo gekürzt oder gestrichen wird – ausgerechnet dann, wenn er am dringendsten gebraucht wird.
Was die Bank Ihnen schuldet
Seit 2016 gibt es eine Beratungspflicht: Wer über einen Zeitraum von sechs Monaten ununterbrochen eine durchschnittliche Überziehung von mehr als 75 Prozent des eingeräumten Rahmens aufweist, dem muss die Bank ein Beratungsgespräch über kostengünstigere Alternativen anbieten (§ 504a BGB).
Das Angebot ist verpflichtend, das Gespräch nicht. Es lohnt sich trotzdem, weil die Bank dabei in der Regel konkrete Umschuldungsangebote macht – und weil die Ablehnung eines Angebots leichter fällt, wenn man es gesehen hat.
Zusätzlich gilt eine allgemeine Informationspflicht: Der aktuelle Sollzinssatz für Dispositionskredit und geduldete Überziehung muss auf jedem Kontoauszug stehen. Wer ihn dort nicht findet, sollte nachfragen.
Die vier Alternativen im Vergleich
Welche Alternative passt, hängt weniger vom Zinssatz ab als von der Frage, ob das Minus kurzfristig oder strukturell ist.
| Alternative | Typischer Zins | Geeignet für |
|---|---|---|
| Ratenkredit zur Umschuldung | 4–9 % effektiv p. a. | strukturelles Minus, das getilgt werden soll |
| Rahmenkredit / Abrufkredit | 7–11 % effektiv p. a. | schwankender Bedarf mit flexibler Rückzahlung |
| Wertpapierkredit (Lombard) | 4–8 % p. a. | nur mit Depot, Nachschussrisiko beachten |
| Konto mit günstigerem Dispo | 6–9 % effektiv p. a. | gelegentliche kurze Überziehungen |
| Kreditkarte mit Teilzahlung | 15–25 % effektiv p. a. | keine – teurer als der Dispo |
Warum die Umschuldung mehr bringt als der Zinsunterschied
Der offensichtliche Vorteil eines Ratenkredits ist der niedrigere Zinssatz. Der wichtigere ist die Struktur: Ein Ratenkredit hat eine feste Laufzeit und eine feste Rate. Er endet. Ein Dispo endet nie von selbst, weil jeder Zahlungseingang ihn ausgleicht und jede Ausgabe ihn wieder aufbaut.
Damit die Umschuldung wirkt, muss allerdings der Dispo nach der Ablösung reduziert oder gestrichen werden. Wer den Rahmen stehen lässt, hat nach zwölf Monaten häufig beides: den Ratenkredit und ein neues Minus.
Vor dem Abschluss: Vergleichen Sie ausschließlich über Konditionenanfragen, die den Score nicht belasten. Mehrere harte Kreditanfragen in kurzer Folge verschlechtern die Ausgangslage genau dann, wenn Sie ein gutes Angebot brauchen.
Wenn der Dispo dauerhaft ausgeschöpft ist
Ein dauerhaft ausgeschöpfter Rahmen ist kein Liquiditäts-, sondern ein Budgetproblem. Die Reihenfolge, die in dieser Lage funktioniert:
- Drei Monate Kontoauszüge auswerten und alle wiederkehrenden Abbuchungen auflisten – Abos und Versicherungen, die niemand mehr bewusst nutzt, sind hier der Regelfall.
- Umschuldung in einen Ratenkredit prüfen und den Dispo im selben Zug auf einen kleinen Restbetrag senken.
- Einen Puffer aufbauen, bevor der Dispo vollständig gestrichen wird – sonst ersetzt die geduldete Überziehung ihn beim nächsten unerwarteten Betrag.
- Bei mehreren Krediten und wachsendem Saldo: kostenlose Schuldnerberatung einer anerkannten Stelle aufsuchen, nicht kommerzielle Anbieter mit Vorkosten.