Kreditkarte für Studenten und Azubis: welche Karte ohne festes Einkommen funktioniert
Wer studiert oder in der Ausbildung ist, hat selten ein Einkommen, das eine Bank als sicher einstuft – und braucht trotzdem eine Karte, die im Ausland, beim Mietwagen und im Onlineshop funktioniert. Die gute Nachricht: Die Bonitätsprüfung ist nur bei Karten mit Kreditrahmen ein Hindernis, und auch dort nicht immer. Welche Kartenart passt, was der Unterschied zwischen Debit- und Kreditkarte im Studentenalltag bedeutet und woran die meisten Anträge scheitern.
Das Problem: kein Einkommen, das die Bank zählt
Für jede Karte mit eingeräumtem Kreditrahmen muss die Bank Ihre Kreditwürdigkeit prüfen (§ 505a BGB). Sie fragt deshalb nach Beschäftigung und Nettoeinkommen und gleicht das mit der Auskunftei ab. Studenten und Auszubildende schneiden bei beidem schlecht ab: kein oder befristetes Einkommen und eine kurze Kredithistorie, die weder positiv noch negativ ist.
Das heißt aber nicht, dass nichts geht. Viele Banken akzeptieren Ausbildungsvergütung, BAföG, Unterhalt der Eltern oder einen Nebenjob als regelmäßige Einkünfte und räumen einen entsprechend kleinen Rahmen ein. Einige Anbieter verzichten bei niedrigen Rahmen ganz auf Einkommensnachweise und verlassen sich auf Ihre Angaben und den Score. Wie die Prüfung im Detail läuft und woran sie scheitert, erklärt der Beitrag zum Kreditkartenantrag.
Die vier Optionen im Vergleich
Die Frage ist nicht „Kreditkarte ja oder nein", sondern welche der vier Abrechnungsmodelle zu Einkommen und Nutzung passt. Für die meisten Studierenden reicht eine Debitkarte, für Auslandssemester und Reisen lohnt eine Charge-Karte mit kleinem Rahmen, und die Revolving-Karte ist die, die man vermeiden sollte.
| Kartenart | Einkommensnachweis | Kreditrahmen | Mietwagen / Hotel | Typische Kosten |
|---|---|---|---|---|
| Debitkarte (Visa/Mastercard zum Girokonto) | nein | kein, Abbuchung sofort | oft abgelehnt | meist kostenlos |
| Prepaid-Kreditkarte | nein | kein, vorher aufladen | oft abgelehnt | Jahresgebühr oder Ladegebühr möglich |
| Charge-Karte | Angaben, teils Nachweis | klein, 300–500 € | akzeptiert | oft kostenlos, Auslandsentgelt prüfen |
| Revolving-Karte | Angaben, teils Nachweis | klein, Teilzahlung voreingestellt | akzeptiert | Sollzins bei Teilzahlung zweistellig |
Wo die Debitkarte im Studentenalltag scheitert
Für Onlinekäufe, Streaming-Abos, Bezahlen im Ausland und Bargeld am Automaten ist eine Debitkarte von Visa oder Mastercard heute gleichwertig. Der Unterschied zeigt sich, wo ein Händler eine Kaution blockieren will: Autovermietungen und viele Hotels verlangen eine „echte" Kreditkarte, weil sie einen Betrag reservieren, ohne ihn sofort abzubuchen. Warum die Debitkarte am Schalter so oft abgelehnt wird, beschreibt der Beitrag zur Mietwagenkaution.
Ein zweiter Punkt ist die Liquidität: Die Debitkarte bucht sofort ab. Wer am 25. eine Bahnfahrt für 80 Euro braucht und das Konto am 28. gefüllt wird, hat mit einer Charge-Karte drei Tage Luft, mit einer Debitkarte den Dispo – und der ist teurer als jede Kreditkarte, die pünktlich bezahlt wird.
Unter 18: was für Minderjährige möglich ist
Minderjährige können mit Zustimmung der Eltern ein Girokonto auf Guthabenbasis führen und dazu eine Debitkarte oder eine Prepaid-Karte erhalten. Beide funktionieren nur mit vorhandenem Guthaben, was für Onlinekäufe und Klassenfahrten ausreicht. Eine Karte mit Kreditrahmen scheidet praktisch aus: Ein Kredit an Minderjährige bräuchte neben der Zustimmung der Eltern die Genehmigung des Familiengerichts, und keine Bank geht diesen Weg für 500 Euro Rahmen.
Mit dem 18. Geburtstag ändert sich das, allerdings mit einer Kredithistorie von null. Ein erstes Girokonto, das seit Jahren ohne Rücklastschriften läuft, ist dann der einzige positive Eintrag – und der zählt. Wer die Karte pünktlich und vollständig bezahlt, baut damit den Score auf, den später die Wohnungssuche und der erste Kredit brauchen; wie das funktioniert, zeigt der Beitrag zum Schufa-Score.
Auslandssemester: die Karte, die im Ausland nichts kostet
Im Auslandssemester wird die Karte zum Hauptzahlungsmittel, und dann entscheiden zwei Posten über die Kosten: das Fremdwährungsentgelt von üblicherweise 1,5 bis 2 Prozent auf jede Zahlung außerhalb des Euroraums und die Gebühr für Bargeld am Automaten. Bei 800 Euro Monatsausgaben in Fremdwährung sind das schnell 15 bis 20 Euro im Monat allein für den Umtausch. Karten ohne beides gibt es sowohl als Debit- als auch als Charge-Karte; welche Fallen zusätzlich lauern, vom Automatenaufschlag bis zur angebotenen Sofortumrechnung, steht im Beitrag zur Kreditkarte im Urlaub.
Praktisch bewährt hat sich die Kombination aus zwei Karten unterschiedlicher Banken: eine als Hauptkarte, eine als Reserve für den Fall, dass die erste gesperrt wird oder der Automat sie nicht nimmt. Eine davon sollte die Wallet auf dem Smartphone unterstützen – kontaktlos mit dem Handy zahlt man auch dann, wenn die Karte noch im Zimmer liegt.
Die drei Kostenfallen – und wie Sie sie abstellen
Studentenkarten werden nicht über die Jahresgebühr teuer, sondern über Nutzungsgebühren, die im Kleingedruckten stehen.
- Teilzahlung: Bei Revolving-Karten ist oft eine Rückzahlung von 3 bis 10 Prozent des Saldos voreingestellt, der Rest wird mit zweistelligem Sollzins verzinst. In den Einstellungen auf 100 Prozent stellen, sofort nach Erhalt der Karte.
- Bargeld: Abhebungen kosten bei vielen Karten einen Prozentsatz oder einen Mindestbetrag, im Ausland zusätzlich das Fremdwährungsentgelt. Karten mit kostenlosem Bargeld wählen oder Bargeld über die Debitkarte des Girokontos ziehen.
- Fremdwährungsentgelt: Vor dem Auslandssemester prüfen, nicht danach. Eine Karte ohne Auslandsentgelt spart über ein Semester mehr, als jede Jahresgebühr kostet.