Festgeldtreppe: höhere Zinsen ohne den Zugriff zu verlieren
Festgeld zahlt mehr Zinsen als Tagesgeld, weil Sie auf Verfügbarkeit verzichten. Wer die gesamte Summe auf fünf Jahre bindet, bekommt den höchsten Satz und kommt fünf Jahre nicht heran – und wer alles auf zwölf Monate legt, bleibt flexibel und verschenkt Zins. Die Festgeldtreppe ist die einfache Antwort auf diesen Zielkonflikt.
Das Prinzip
Sie teilen den Anlagebetrag in gleich große Tranchen und legen jede mit einer anderen Laufzeit an – klassisch fünf Tranchen über ein bis fünf Jahre. Nach zwölf Monaten wird die erste frei; sie wandert in eine neue Fünfjahresanlage. Nach weiteren zwölf Monaten wiederholt sich das.
Nach vier Jahren besteht die Treppe ausschließlich aus Fünfjahresanlagen, von denen jedes Jahr eine fällig wird. Sie erhalten dann dauerhaft die Konditionen der längsten Laufzeit bei jährlicher Verfügbarkeit eines Fünftels.
| Tranche | Betrag | Laufzeit bei Start | Wird frei |
|---|---|---|---|
| 1 | 10.000 € | 1 Jahr | nach 12 Monaten |
| 2 | 10.000 € | 2 Jahre | nach 24 Monaten |
| 3 | 10.000 € | 3 Jahre | nach 36 Monaten |
| 4 | 10.000 € | 4 Jahre | nach 48 Monaten |
| 5 | 10.000 € | 5 Jahre | nach 60 Monaten |
Warum das mehr bringt als eine einzige Laufzeit
Der offensichtliche Vorteil ist Liquidität: Statt fünf Jahre gebunden zu sein, kommen Sie jedes Jahr an einen Teil heran – ohne Vorfälligkeitsentgelt und ohne die Bank um Kulanz bitten zu müssen.
Der weniger offensichtliche ist die Streuung des Zinsänderungsrisikos. Wer die gesamte Summe zu einem Zeitpunkt anlegt, wettet auf das Zinsniveau genau dieses Tages. Die Treppe legt jedes Jahr neu an und mittelt damit über fünf verschiedene Zinsniveaus.
Steigen die Zinsen, profitiert jedes Jahr ein Fünftel davon. Fallen sie, sind vier Fünftel noch zu den alten, höheren Sätzen gebunden. Beides ist ein Vorteil gegenüber der Alles-auf-einmal-Anlage.
Wann sich Festgeld überhaupt lohnt
Die Zinsdifferenz zwischen Tages- und Festgeld schwankt mit der Zinsstruktur. Ist die Kurve flach oder invers – kurze Laufzeiten zahlen so viel wie lange oder mehr –, ist die Bindung wirtschaftlich nicht kompensiert, und Tagesgeld ist die bessere Wahl.
Prüfen Sie deshalb vor dem Aufbau: Wie viel mehr zahlt die Fünfjahresanlage gegenüber dem besten dauerhaften Tagesgeld? Liegt der Unterschied unter einem halben Prozentpunkt, ist der Verzicht auf Verfügbarkeit schlecht bezahlt.
Und unabhängig davon gilt: Der Notgroschen – üblicherweise drei bis sechs Monatsausgaben – gehört auf ein Tagesgeldkonto. Er ist dafür da, unerwartete Ausgaben zu decken, und ein Festgeld, das erst in drei Jahren frei wird, kann das nicht.
Einlagensicherung in der Treppe beachten
Die gesetzliche Deckung von 100.000 Euro gilt pro Kunde und Institut und umfasst alle Einlagen dort zusammen – Tagesgeld und Festgeld werden addiert. Eine Treppe bei einer einzigen Bank stößt bei größeren Summen also an diese Grenze.
Verteilen Sie die Tranchen deshalb auf mehrere Institute. Das hat einen angenehmen Nebeneffekt: Sie können für jede Laufzeit den jeweils besten Anbieter wählen, statt sich auf das Angebot einer Bank festzulegen.
Achten Sie dabei auf die Banklizenz, nicht auf den Markennamen – mehrere Marken desselben Instituts teilen sich eine Deckungssumme. Und rechnen Sie die aufgelaufenen Zinsen mit ein, wenn Sie nahe an der Grenze planen.
Zinsgutschrift und Steuer
Bei mehrjährigem Festgeld gibt es zwei Modelle: jährliche Zinsgutschrift oder Gutschrift am Laufzeitende. Wirtschaftlich unterscheiden sie sich durch den Zinseszinseffekt, steuerlich durch die Verteilung.
Jährliche Gutschrift bedeutet: In jedem Jahr fällt ein Teil der Zinsen an und wird gegen den Sparer-Pauschbetrag verrechnet. Wer den Freibetrag sonst nicht ausschöpft, nutzt ihn so vollständig.
Gutschrift am Ende bündelt dagegen fünf Jahre Zinsen in einem Steuerjahr. Der Pauschbetrag der Vorjahre ist dann verfallen, und der gesamte Betrag über 1.000 Euro wird versteuert. Bei größeren Summen ist die jährliche Gutschrift deshalb regelmäßig günstiger.
Die Treppe pflegen
Der Aufbau ist eine einmalige Aktion, die Pflege besteht aus einem Termin pro Jahr. Drei Punkte gehören dazu:
- Prolongation prüfen: Viele Banken verlängern automatisch zu den dann gültigen Konditionen, wenn nicht rechtzeitig widersprochen wird. Das kann bequem oder teuer sein – notieren Sie die Fälligkeitstermine mit Widerspruchsfrist.
- Konditionen neu vergleichen: Der beste Anbieter für fünf Jahre wechselt. Legen Sie die frei werdende Tranche dort an, wo sie aktuell am besten verzinst wird.
- Freistellungsaufträge anpassen: Kommt eine neue Bank dazu, muss der Sparer-Pauschbetrag neu verteilt werden. Die Summe aller Aufträge darf 1.000 Euro nicht überschreiten.