Handelsplätze im Vergleich: warum der Spread oft mehr kostet als die Order
Broker werben mit Ordergebühren von einem Euro oder null. Was dabei selten erwähnt wird: Die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs kann bei derselben Order ein Vielfaches davon ausmachen – und sie ist nicht überall und nicht zu jeder Zeit gleich groß. Dieser Beitrag erklärt, worin sich die Handelsplätze unterscheiden und wann welcher sinnvoll ist.
Was einen Handelsplatz ausmacht
An einer Börse treffen Kauf- und Verkaufsaufträge in einem Orderbuch zusammen, überwacht von einer Handelsüberwachungsstelle. Beim außerbörslichen Direkthandel stellt dagegen ein einzelner Market Maker Kurse, zu denen er selbst kauft und verkauft – Sie handeln gegen ihn, nicht gegen andere Anleger.
Beides ist zulässig und beides hat seinen Platz. Der Unterschied liegt in der Preisbildung: Im Orderbuch entsteht der Preis aus Angebot und Nachfrage vieler Teilnehmer, im Direkthandel aus der Kalkulation eines Anbieters, die sich an einem Referenzmarkt orientiert.
Die Handelsüberwachung ist ein praktischer Unterschied, kein theoretischer: Bei einer offensichtlichen Fehlbewertung kann ein börslicher Handelsplatz ein Geschäft aufheben – im Direkthandel gibt es dafür kein vergleichbares Verfahren.
Die Plätze im Überblick
Für Privatanleger in Deutschland sind vor allem vier Typen relevant.
| Handelsplatz | Typ | Handelszeiten (Richtwert) | Stärke |
|---|---|---|---|
| Xetra | elektronische Börse | 9:00–17:30 Uhr | höchste Liquidität bei deutschen Werten und ETFs |
| Tradegate Exchange | Börse mit Market Maker | 8:00–22:00 Uhr | lange Zeiten, enge Spreads bei Standardwerten |
| Regionalbörsen | Präsenz- und elektronische Börse | 8:00–20:00 Uhr | Handelsüberwachung, Nischenwerte |
| Direkthandel (außerbörslich) | Market Maker | teils 7:30–23:00 Uhr | schnell, oft gebührenfrei, Quote vorab sichtbar |
Warum der Spread so stark schwankt
Ein Market Maker stellt Kurse mit einem Risikoaufschlag. Dieser Aufschlag hängt davon ab, wie gut er sich selbst absichern kann – und das hängt davon ab, ob der zugrunde liegende Markt gerade handelt.
Bei einem ETF auf US-Aktien ist der Referenzmarkt vor 15:30 Uhr geschlossen. Der Market Maker muss den fairen Wert dann schätzen und sichert sich über einen weiteren Spread ab. Nach Öffnung der US-Börsen verengt sich die Spanne oft deutlich.
Dasselbe gilt für die Randzeiten. In den ersten Minuten nach Handelsbeginn und in den letzten vor Handelsschluss sind Spreads systematisch weiter, weil Preise noch beziehungsweise nicht mehr verlässlich gestellt werden können.
Limit statt Market
Eine Market-Order wird zum nächstmöglichen Kurs ausgeführt – welcher das ist, erfahren Sie danach. Bei liquiden Werten in der Kernzeit ist das unproblematisch; bei dünnem Orderbuch kann die Ausführung deutlich vom erwarteten Kurs abweichen.
Eine Limit-Order legt den schlechtesten akzeptierten Kurs fest. Sie kann unausgeführt bleiben, aber sie kann nicht zu einem überraschenden Preis ausgeführt werden. Für Sparpläne ist das irrelevant – die laufen als Sammelorder –, für Einmalkäufe ist es die Standardempfehlung.
Ein sinnvolles Limit liegt nahe am aktuellen Briefkurs, nicht weit darunter: Ein Limit, das nie ausgeführt wird, kostet keine Gebühr, aber es kostet die Anlage. Als Orientierung genügt ein Aufschlag von wenigen Zehntelprozent auf den aktuellen Kurs.
Was neben dem Spread noch anfällt
Die Ordergebühr des Brokers ist nur einer von mehreren Posten. Vollständig gehören dazu:
- Grundentgelt oder Provision des Brokers, teils volumenabhängig
- Handelsplatzentgelt der Börse, häufig ein bis zwei Euro je Order
- Fremdkostenpauschale des Brokers, oft im Preisverzeichnis versteckt
- Geld-Brief-Spanne, die größte und unsichtbarste Position
- Bei ausländischen Börsen: Fremdwährungsumrechnung und ausländische Gebühren
Welcher Platz wofür
Für ETFs und deutsche Standardwerte während der Kernzeit ist Xetra der Referenzfall: höchste Liquidität, engste Spreads, transparentes Orderbuch. Wer das Handelsplatzentgelt sparen will, prüft, ob der Broker Tradegate zu vergleichbaren Bedingungen anbietet.
Für Orders außerhalb der Xetra-Zeiten – früh morgens oder abends – ist Tradegate oder der Direkthandel die praktikable Wahl, dann aber unbedingt mit Limit.
Für sehr kleine Orders kann der gebührenfreie Direkthandel günstiger sein, selbst bei etwas weiterem Spread: Bei 200 Euro Ordervolumen wiegt eine Ordergebühr von 5 Euro schwerer als 0,2 Prozent zusätzlicher Spread. Ab etwa 2.000 Euro dreht sich das Verhältnis um.