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Depot & ETF9 Min. Lesezeit

ETF-Sparplan: die sechs Entscheidungen, die den Ertrag bestimmen

Ein ETF-Sparplan besteht aus wenigen Entscheidungen, die sich in einer halben Stunde treffen lassen – und aus einer, die Jahre dauert. Dieser Beitrag erklärt, was die einzelnen Stellschrauben tatsächlich bewirken, welche Kosten in der Produktübersicht fehlen und warum die Wahl des Ausführungstags nahezu egal ist.

Kartencheck RedaktionVeröffentlicht am Geprüft am

Entscheidung 1: Welcher Index

Ein ETF bildet einen Index nach – die gesamte Anlageentscheidung steckt also in der Indexauswahl. Breite Weltindizes umfassen zwischen rund 1.400 und über 3.500 Unternehmen aus Industrie- und teilweise Schwellenländern; enger gefasste Indizes bilden einzelne Regionen, Branchen oder Themen ab.

Je enger der Index, desto stärker hängt das Ergebnis von einer einzelnen Wette ab. Ein Technologie-ETF ist keine Streuung, sondern eine Branchenposition mit ETF-Verpackung. Das ist legitim, sollte aber als das bezeichnet werden, was es ist.

Achten Sie auf die Gewichtung: Nach Marktkapitalisierung gewichtete Weltindizes haben typischerweise einen hohen US-Anteil, weil die Marktkapitalisierung dort am größten ist. Wer das nicht will, kann gleichgewichtete Varianten oder eine eigene Regionenkombination wählen – mit dem Preis höherer Komplexität und höherer Kosten.

Entscheidung 2: Was der Fonds wirklich kostet

Die Gesamtkostenquote (TER) wird täglich anteilig aus dem Fondsvermögen entnommen und erscheint deshalb nie auf einer Rechnung. Sie enthält Verwaltung, Lizenz und Depotbank – nicht aber Transaktionskosten innerhalb des Fonds und nicht die Effekte aus Wertpapierleihe.

Deshalb ist die Tracking-Differenz die ehrlichere Zahl: Sie misst, um wie viel die tatsächliche Fondsrendite über mehrere Jahre vom Index abgewichen ist. Sie kann niedriger sein als die TER – etwa wenn Erträge aus Wertpapierleihe einen Teil der Kosten ausgleichen – und sie kann höher sein.

Kostenarten bei einem ETF-Sparplan
KostenartWer erhebt sieSichtbar wo
TERFondsgesellschaftFactsheet, aus dem Fondsvermögen entnommen
Tracking-DifferenzErgebnis, kein EntgeltVergleich Fonds- und Indexrendite über Jahre
SparplanentgeltBrokerAbrechnung, je Ausführung
Ordergebühr bei EinmalkaufBrokerAbrechnung
SpreadHandelsplatzDifferenz zwischen An- und Verkaufskurs
FremdkostenpauschaleBrokerPreisverzeichnis, oft übersehen

Entscheidung 3: Ausschüttend oder thesaurierend

Thesaurierende ETFs legen Erträge automatisch wieder an, ausschüttende zahlen sie auf das Verrechnungskonto aus. Für den langfristigen Vermögensaufbau ist die thesaurierende Variante bequemer, weil die Wiederanlage ohne Zutun und ohne erneute Ordergebühr erfolgt.

Steuerlich sind beide gleichgestellt: Bei thesaurierenden Fonds greift die Vorabpauschale, damit die Steuer nicht bis zum Verkauf aufgeschoben wird. Ein Vorteil bleibt trotzdem – die Vorabpauschale fällt regelmäßig niedriger aus als eine volle Ausschüttung, was den Steuerstundungseffekt teilweise erhält.

Ausschüttende ETFs haben einen praktischen Vorzug: Wer den Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro sonst nicht ausnutzt, füllt ihn mit Ausschüttungen auf, ohne verkaufen zu müssen.

Entscheidung 4: Rate und Intervall

Die Rate sollte so bemessen sein, dass sie auch in einem schlechten Jahr nicht gestoppt werden muss. Ein Sparplan, der nach 18 Monaten ausgesetzt wird, weil die Rate zu hoch war, erreicht weniger als ein kleinerer, der 20 Jahre läuft.

Das Intervall ist weitgehend gleichgültig, solange die Kostenstruktur prozentual ist. Bei einem Fixbetrag je Ausführung ist ein selteneres Intervall mit höherer Rate günstiger: Zwölf Ausführungen à 300 Euro kosten weniger als 36 à 100 Euro.

Zum Ausführungstag: Untersuchungen zum Timing innerhalb des Monats zeigen keinen belastbaren, dauerhaften Vorteil eines bestimmten Datums. Praktisch sinnvoll ist ein Tag kurz nach dem Gehaltseingang – aus Liquiditätsgründen, nicht aus Renditegründen.

Entscheidung 5: Der Broker

Für einen reinen Sparplan zählen vier Punkte: Kosten je Ausführung, Verfügbarkeit des gewünschten ETF im Sparplanangebot, Unterstützung von Bruchstücken und die Qualität der Steuerunterlagen. Alles andere – Handelsplätze, Ordertypen, Analysewerkzeuge – ist für Sparpläne zweitrangig.

Ein Sonderfall sind kostenlose Sparplanaktionen. Sie sind meist befristet und auf ETFs bestimmter Anbieter beschränkt. Das ist in Ordnung, solange der ETF ohnehin passt – der ETF sollte aber nicht wegen der Aktion gewählt werden, denn die Aktion endet und der Fonds bleibt.

Prüfen Sie außerdem, ob der Broker die Abgeltungsteuer automatisch abführt. Deutsche Depotbanken tun das; bei ausländischen Brokern müssen Kapitalerträge selbst erklärt werden, was die Steuererklärung deutlich aufwendiger macht.

Entscheidung 6: Durchhalten

Die einzige Stellschraube, die sich nicht am Anfang einstellen lässt. Wertschwankungen von 30 bis 50 Prozent sind in breiten Aktienindizes historisch wiederholt vorgekommen und werden wieder vorkommen. Ein Sparplan, der in solchen Phasen weiterläuft, kauft günstiger ein; einer, der gestoppt wird, realisiert nur den Rückgang.

Zwei praktische Vorkehrungen helfen: ein ausreichender Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto, damit der Sparplan bei einer unerwarteten Ausgabe nicht angetastet werden muss – und ein Anlagehorizont, der zum Ziel passt. Geld, das in drei Jahren gebraucht wird, gehört nicht in einen Aktien-ETF.

Die häufigsten Fehler sind entsprechend: zu hohe Rate, zu kurzer Horizont, zu enger Index und das Umschichten nach schlechten Monaten. Keiner davon ist ein Produktfehler.

FAQ

Häufige Fragen

So viel, dass die Rate auch in einem schlechten Jahr nicht gestoppt werden muss. Eine kleinere Rate über 20 Jahre bringt mehr als eine hohe, die nach zwei Jahren ausgesetzt wird.

Nicht vollständig. Transaktionskosten innerhalb des Fonds sind nicht enthalten. Aussagekräftiger ist die Tracking-Differenz, also die tatsächliche Abweichung von der Indexrendite über mehrere Jahre.

Keiner belastbar. Wählen Sie einen Tag kurz nach dem Gehaltseingang – aus Liquiditätsgründen, nicht wegen der Rendite.

Thesaurierend ist für den langfristigen Aufbau bequemer, weil die Wiederanlage automatisch erfolgt. Ausschüttend hilft, den Sparer-Pauschbetrag auszunutzen, ohne verkaufen zu müssen.

Als Orientierung mindestens 100 Millionen Euro Fondsvolumen. Kleinere ETFs werden häufiger geschlossen oder verschmolzen, was einen steuerpflichtigen Verkauf auslösen kann.

Ja, Sparpläne sind jederzeit änderbar oder aussetzbar, ohne Kündigungsfrist und ohne Entgelt. Die Frage ist nicht, ob es geht, sondern ob es sinnvoll ist.

Quellen & Rechtsgrundlagen

Inhaltlich zuletzt geprüft am . Angaben zu Konditionen können sich jederzeit ändern; maßgeblich sind die Preis- und Leistungsverzeichnisse der Anbieter. Dieser Beitrag ist keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.

Kartencheck Redaktion
Fachredaktion für Konten, Karten und Geldanlage

Die Kartencheck-Redaktion wertet Preis- und Leistungsverzeichnisse, AGB und Gesetzestexte aus und prüft Konditionen regelmäßig gegen die Angaben der Anbieter. Verantwortlich für den Inhalt ist die im Impressum genannte Festina Lente AI Limited.

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