ETF-Sparplan: die sechs Entscheidungen, die den Ertrag bestimmen
Ein ETF-Sparplan besteht aus wenigen Entscheidungen, die sich in einer halben Stunde treffen lassen – und aus einer, die Jahre dauert. Dieser Beitrag erklärt, was die einzelnen Stellschrauben tatsächlich bewirken, welche Kosten in der Produktübersicht fehlen und warum die Wahl des Ausführungstags nahezu egal ist.
Entscheidung 1: Welcher Index
Ein ETF bildet einen Index nach – die gesamte Anlageentscheidung steckt also in der Indexauswahl. Breite Weltindizes umfassen zwischen rund 1.400 und über 3.500 Unternehmen aus Industrie- und teilweise Schwellenländern; enger gefasste Indizes bilden einzelne Regionen, Branchen oder Themen ab.
Je enger der Index, desto stärker hängt das Ergebnis von einer einzelnen Wette ab. Ein Technologie-ETF ist keine Streuung, sondern eine Branchenposition mit ETF-Verpackung. Das ist legitim, sollte aber als das bezeichnet werden, was es ist.
Achten Sie auf die Gewichtung: Nach Marktkapitalisierung gewichtete Weltindizes haben typischerweise einen hohen US-Anteil, weil die Marktkapitalisierung dort am größten ist. Wer das nicht will, kann gleichgewichtete Varianten oder eine eigene Regionenkombination wählen – mit dem Preis höherer Komplexität und höherer Kosten.
Entscheidung 2: Was der Fonds wirklich kostet
Die Gesamtkostenquote (TER) wird täglich anteilig aus dem Fondsvermögen entnommen und erscheint deshalb nie auf einer Rechnung. Sie enthält Verwaltung, Lizenz und Depotbank – nicht aber Transaktionskosten innerhalb des Fonds und nicht die Effekte aus Wertpapierleihe.
Deshalb ist die Tracking-Differenz die ehrlichere Zahl: Sie misst, um wie viel die tatsächliche Fondsrendite über mehrere Jahre vom Index abgewichen ist. Sie kann niedriger sein als die TER – etwa wenn Erträge aus Wertpapierleihe einen Teil der Kosten ausgleichen – und sie kann höher sein.
| Kostenart | Wer erhebt sie | Sichtbar wo |
|---|---|---|
| TER | Fondsgesellschaft | Factsheet, aus dem Fondsvermögen entnommen |
| Tracking-Differenz | Ergebnis, kein Entgelt | Vergleich Fonds- und Indexrendite über Jahre |
| Sparplanentgelt | Broker | Abrechnung, je Ausführung |
| Ordergebühr bei Einmalkauf | Broker | Abrechnung |
| Spread | Handelsplatz | Differenz zwischen An- und Verkaufskurs |
| Fremdkostenpauschale | Broker | Preisverzeichnis, oft übersehen |
Entscheidung 3: Ausschüttend oder thesaurierend
Thesaurierende ETFs legen Erträge automatisch wieder an, ausschüttende zahlen sie auf das Verrechnungskonto aus. Für den langfristigen Vermögensaufbau ist die thesaurierende Variante bequemer, weil die Wiederanlage ohne Zutun und ohne erneute Ordergebühr erfolgt.
Steuerlich sind beide gleichgestellt: Bei thesaurierenden Fonds greift die Vorabpauschale, damit die Steuer nicht bis zum Verkauf aufgeschoben wird. Ein Vorteil bleibt trotzdem – die Vorabpauschale fällt regelmäßig niedriger aus als eine volle Ausschüttung, was den Steuerstundungseffekt teilweise erhält.
Ausschüttende ETFs haben einen praktischen Vorzug: Wer den Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro sonst nicht ausnutzt, füllt ihn mit Ausschüttungen auf, ohne verkaufen zu müssen.
Entscheidung 4: Rate und Intervall
Die Rate sollte so bemessen sein, dass sie auch in einem schlechten Jahr nicht gestoppt werden muss. Ein Sparplan, der nach 18 Monaten ausgesetzt wird, weil die Rate zu hoch war, erreicht weniger als ein kleinerer, der 20 Jahre läuft.
Das Intervall ist weitgehend gleichgültig, solange die Kostenstruktur prozentual ist. Bei einem Fixbetrag je Ausführung ist ein selteneres Intervall mit höherer Rate günstiger: Zwölf Ausführungen à 300 Euro kosten weniger als 36 à 100 Euro.
Zum Ausführungstag: Untersuchungen zum Timing innerhalb des Monats zeigen keinen belastbaren, dauerhaften Vorteil eines bestimmten Datums. Praktisch sinnvoll ist ein Tag kurz nach dem Gehaltseingang – aus Liquiditätsgründen, nicht aus Renditegründen.
Entscheidung 5: Der Broker
Für einen reinen Sparplan zählen vier Punkte: Kosten je Ausführung, Verfügbarkeit des gewünschten ETF im Sparplanangebot, Unterstützung von Bruchstücken und die Qualität der Steuerunterlagen. Alles andere – Handelsplätze, Ordertypen, Analysewerkzeuge – ist für Sparpläne zweitrangig.
Ein Sonderfall sind kostenlose Sparplanaktionen. Sie sind meist befristet und auf ETFs bestimmter Anbieter beschränkt. Das ist in Ordnung, solange der ETF ohnehin passt – der ETF sollte aber nicht wegen der Aktion gewählt werden, denn die Aktion endet und der Fonds bleibt.
Prüfen Sie außerdem, ob der Broker die Abgeltungsteuer automatisch abführt. Deutsche Depotbanken tun das; bei ausländischen Brokern müssen Kapitalerträge selbst erklärt werden, was die Steuererklärung deutlich aufwendiger macht.
Entscheidung 6: Durchhalten
Die einzige Stellschraube, die sich nicht am Anfang einstellen lässt. Wertschwankungen von 30 bis 50 Prozent sind in breiten Aktienindizes historisch wiederholt vorgekommen und werden wieder vorkommen. Ein Sparplan, der in solchen Phasen weiterläuft, kauft günstiger ein; einer, der gestoppt wird, realisiert nur den Rückgang.
Zwei praktische Vorkehrungen helfen: ein ausreichender Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto, damit der Sparplan bei einer unerwarteten Ausgabe nicht angetastet werden muss – und ein Anlagehorizont, der zum Ziel passt. Geld, das in drei Jahren gebraucht wird, gehört nicht in einen Aktien-ETF.
Die häufigsten Fehler sind entsprechend: zu hohe Rate, zu kurzer Horizont, zu enger Index und das Umschichten nach schlechten Monaten. Keiner davon ist ein Produktfehler.