MSCI World, FTSE All-World oder ACWI: welcher Welt-ETF was abdeckt – und was nicht
Ein ETF auf einen Weltindex ist für die meisten Anleger die erste und oft einzige Position im ETF-Sparplan. Umso mehr lohnt der Blick darauf, was „Welt" jeweils bedeutet: Der MSCI World enthält keine Schwellenländer, der FTSE All-World zählt Südkorea zu den Industrieländern, und alle drei sind zu rund zwei Dritteln ein US-Index. Wir vergleichen die drei gängigen Indizes und die Kosten, die tatsächlich den Unterschied machen.
Drei Indizes, drei Definitionen von „Welt"
Der MSCI World ist der älteste und bekannteste der drei. Er umfasst große und mittelgroße Unternehmen aus 23 Industrieländern und deckt damit rund 85 Prozent der frei handelbaren Marktkapitalisierung dieser Länder ab. Schwellenländer wie China, Indien, Taiwan oder Brasilien fehlen vollständig – „World" ist hier die entwickelte Welt.
Der MSCI ACWI (All Country World Index) ergänzt den MSCI World um 24 Schwellenländer. Er enthält rund 2.500 Titel, von denen die Schwellenländer etwa ein Zehntel des Gewichts ausmachen. Der FTSE All-World des Indexanbieters FTSE Russell verfolgt dasselbe Ziel, geht aber mit rund 4.000 Titeln tiefer in die mittelgroßen Unternehmen und ordnet einzelne Länder anders ein: Südkorea und Polen gelten bei FTSE als Industrieländer, bei MSCI als Schwellenländer.
Für das Ergebnis eines Sparplans sind diese Unterschiede kleiner, als die Debatten darüber vermuten lassen. Alle drei Indizes werden von denselben großen US-Unternehmen dominiert, und ihre Renditen bewegen sich über lange Zeiträume eng beieinander. Die eigentliche Entscheidung lautet: mit oder ohne Schwellenländer.
| Merkmal | MSCI World | MSCI ACWI | FTSE All-World |
|---|---|---|---|
| Länder | 23 Industrieländer | 23 Industrie- + 24 Schwellenländer | rund 50 Industrie- und Schwellenländer |
| Titel (ca.) | 1.400 | 2.500 | 4.000 |
| Schwellenländer | nein | ja, rund 10 % | ja, rund 10 % |
| Small Caps | nein | nein | nein |
| USA-Anteil (ca.) | rund 70 % | rund 65 % | rund 60–65 % |
| Südkorea eingestuft als | Schwellenland (nicht enthalten) | Schwellenland | Industrieland |
| Typische Gesamtkostenquote | 0,12–0,20 % | 0,17–0,25 % | 0,15–0,22 % |
Die USA-Dominanz: Klumpen oder Abbild?
Alle drei Indizes gewichten ihre Titel nach der frei handelbaren Marktkapitalisierung. Weil die größten Unternehmen der Welt in den USA notieren, liegt der US-Anteil bei rund zwei Dritteln, und die zehn größten Positionen – überwiegend Technologiekonzerne – machen etwa ein Fünftel des Index aus. Wer einen Welt-ETF kauft, kauft also zuerst den amerikanischen Aktienmarkt.
Ob das ein Problem ist, hängt vom Standpunkt ab. Die Gewichtung nach Marktwert ist kein Fehler des Index, sondern sein Prinzip: Sie bildet ab, wie viel Kapital der Markt jedem Unternehmen zumisst, und sie erfordert keine Prognose, welches Land oder welche Branche künftig besser läuft. Wer die Dominanz reduzieren will, hat zwei Wege: einen ETF, der nach Wirtschaftsleistung statt Börsenwert gewichtet, oder eine eigene Aufteilung aus einem Industrieländer- und einem Schwellenländer-ETF, etwa im Verhältnis 70 zu 30. Beides ist eine bewusste Wette gegen die Marktgewichtung, keine neutrale Verbesserung.
Small Caps: die Lücke in allen drei Indizes
Große und mittelgroße Unternehmen decken rund 85 bis 90 Prozent der Marktkapitalisierung ab – die restlichen 10 bis 15 Prozent sind kleine Unternehmen, die in keinem der drei Indizes stecken. Wer sie mit abbilden will, greift zum MSCI ACWI IMI (Investable Market Index) mit rund 9.000 Titeln oder zum FTSE Global All Cap, die beide Small Caps enthalten. ETFs darauf sind seltener, meist etwas teurer und replizieren notwendigerweise optimiert, weil niemand 9.000 Aktien physisch hält.
Der Renditeunterschied durch Small Caps ist historisch messbar, aber nicht garantiert, und er kostet Schwankung. Für den Sparplan gilt: Ein Welt-ETF ohne Small Caps ist vollständig genug; wer sie will, nimmt sie bewusst dazu und nicht, weil „mehr Titel" automatisch besser klingt.
Was bei der ETF-Auswahl tatsächlich zählt
Ist der Index gewählt, konkurrieren auf ihn meist mehrere ETFs. Die ausgewiesene Gesamtkostenquote unterscheidet sich zwischen ihnen um wenige Hundertstel Prozent und ist als Auswahlkriterium überschätzt. Aussagekräftiger ist die Tracking-Differenz: Wie viel Rendite bleibt der ETF über mehrere Jahre tatsächlich hinter seinem Index zurück? Sie enthält die Kosten, aber auch Erträge aus Wertpapierleihe und die Handhabung der Quellensteuer – und liegt bei guten ETFs unter der Gesamtkostenquote.
Das Fondsdomizil spielt dabei eine Rolle: ETFs mit Sitz in Irland profitieren beim US-Anteil von einem Doppelbesteuerungsabkommen, das die Quellensteuer auf Dividenden auf 15 Prozent begrenzt – bei einem Index, der zu zwei Dritteln aus US-Aktien besteht, ein spürbarer Vorteil gegenüber Luxemburg. Die Replikationsmethode – vollständig physisch, optimiert oder synthetisch über einen Swap – erklärt der Beitrag zu den ETF-Arten; bei 4.000 Titeln ist optimierte Replikation der Normalfall.
Zuletzt die Ertragsverwendung: ausschüttend oder thesaurierend ändert nichts an der Rendite vor Steuern, aber am Aufwand und an der Frage, ob der Sparer-Pauschbetrag automatisch genutzt wird.
- Index festlegen: mit oder ohne Schwellenländer, mit oder ohne Small Caps.
- Tracking-Differenz über drei bis fünf Jahre vergleichen, nicht die Gesamtkostenquote allein.
- Fondsdomizil Irland bevorzugen, wenn der US-Anteil hoch ist.
- Fondsvolumen prüfen: ab einigen hundert Millionen Euro ist eine Schließung unwahrscheinlich.
- Ertragsverwendung wählen und den Sparplan bei einem Broker einrichten, der den ETF gebührenfrei ausführt.
Steuer: Teilfreistellung und Vorabpauschale
Jeder der hier genannten ETFs ist ein Aktienfonds im Sinne des Investmentsteuergesetzes, weil er dauerhaft mehr als 51 Prozent in Aktien hält. Damit sind 30 Prozent aller Erträge – Ausschüttungen, Vorabpauschale und Veräußerungsgewinne – steuerfrei (§ 20 InvStG). Diese Teilfreistellung gilt unabhängig davon, ob der Fonds physisch oder synthetisch repliziert, solange die Aktienquote stimmt.
Thesaurierende Welt-ETFs erzeugen jedes Jahr eine Vorabpauschale, die die Bank im Januar vom Verrechnungskonto einzieht, sofern der Freistellungsauftrag nicht ausreicht. Wer das nicht will, wählt die ausschüttende Variante desselben Index – der Index ist derselbe, nur der Zahlungsstrom ist ein anderer.
Wo der Welt-ETF gekauft wird
Die Indexwahl ist die wichtigere Entscheidung, die Brokerwahl die teurere, wenn sie falsch ausfällt. Ein Sparplan, der jeden Monat 1,50 Euro Ausführungsgebühr kostet, frisst bei 100 Euro Rate 1,5 Prozent – mehr als die Gesamtkostenquote von zehn Welt-ETFs zusammen. Bei Einmalkäufen kommt der Handelsplatz dazu, an dem der Spread schnell mehr kostet als die Order; warum, erklärt der Beitrag zu den Handelsplätzen. Welche Broker die gängigen Welt-ETFs im Sparplan gebührenfrei anbieten, zeigt der Depot-Vergleich; für reine Sparplananleger ist der Vergleich der besten Broker für ETF-Sparpläne die kürzere Liste.